Tobende Mikroben…Teil 2

13. Juli 2020 Food

Als Teil 2 meiner Ferment-Serie möchte ich Euch Karl vorstellen: Karl, der (Wasser-)Kefir 😉

Karl ist im April bei uns eingezogen und versorgt uns seither mit einer GetrĂ€nkealternative zu Wasser und Saftschorle…und die soll auch noch – wie alles Fermentierte – gesund sein.

Aber wie macht er das?

Wasserkefir ist ein kohlensĂ€urehaltiges GĂ€rgetrĂ€nk, das mit Hilfe einer Kefirkultur Ă€hnlich der Kefirknollen angesetzt wird. Diese besteht aus Hefen und MiclchsĂ€urebakterien. Das entstehende GetrĂ€nk hat geschmacklich (sĂŒĂŸ-sĂ€uerlich) und vom Aussehen her (gelblich, trĂŒb) eine gewisse Ähnlichkeit mit Kombucha. (Quelle: Wikipedia)

Es handelt sich dabei um einen sog. SCOBY – symbiotic culture of bacteria and yeast…hört sich ja erst mal nicht sehr appetitlich an 😉

Diese Hefen und Bakterien schaffen es aber, aus Zucker und einer Stickstoffquelle, einfaches Leitungswasser in ein sĂ€uerlich-herbes GetrĂ€nk zu verwandeln. Manche Leute vergleichen es mit Bitter Lemon oder Tonic Water…uns hier in der Weingegend erinnert es in der Basis-Variante eher an Federweißer 😉

Ich nehme Euch mal zu einem neuen Ansatz mit:

Derzeit steht Karl, aromatisiert mit Äpfeln und Zitronenthymian, seit etwa zwei Tagen in unserer KĂŒche und blubbert fleißig vor sich hin. Zeit zu schauen, ob er nach unserem Geschmack genug Zucker verarbeitet hat. Hierzu nehme ich einen sauberen Glasstrohhalm und probiere einen Schluck…passt! TatsĂ€chlich verĂ€ndert sich das GĂ€rverhalten ja nach Temperatur und Zutaten, so dass man manchmal noch einen halben Tag geduldig sein muss.

Also habe ich Karl abgegossen und die Kefirknollen etc. im Sieb aufgefangen. Jetzt sortiere ich alles, was nicht Karl heißt, aus, denn nur fĂŒr ihn geht es gleich weiter.

Den fertigen Kefir gebe ich in eine BĂŒgelflasche – aber auch jede andere verschließbare Flasche geht – und lasse ihn (hier neben seinen Ferment-Freunden) noch einmal etwa einen halben Tag bei Raumtemperatur stehen. Auch wenn die Kefirkristalle entfernt sind, gĂ€rt er trotzdem noch weiter und entwickelt so KohlensĂ€ure – also Achtung: Hier entsteht Druck! Bevor er Euch um die Ohren fliegt, sollte er also besser in den KĂŒhlschrank umziehen…da macht die KĂ€lte ihn trĂ€ge. Trotzdem die Flasche dann vorsichtig öffnen – ich weiß, wovon ich spreche. 😉

FĂŒr einen neuen Ansatz spĂŒle ich zunĂ€chst einmal das GĂ€rglas und gebe etwa einen Liter Leitungswasser hinein.

Hierin löse ich mindestens 50 g Zucker auf – so viel Hunger hat Karl mindestes. Meistens nehme ich aber ca. 60 g, da wir rausgefunden haben, dass es uns so am besten schmeckt.

Weiter braucht der Ansatz noch den Saft einer halben Zitrone. Man kann die ausgedrĂŒckte Zitrone auch einfach mit reinwerfen, dann gibt auch die Schale noch einmal Geschmack ab. Die SĂ€ure unterdrĂŒckt etwaige Schimmelpilze. Sonst benötigt Karl noch eine Stickstoffquelle. Super funktionieren hier TrockenfrĂŒchte – heute bei mir zwei Feigen. Aber auch frische FrĂŒchte funktionieren…da muss man ein wenig rumprobieren, mit was sich Karl wohl fĂŒhlt. Und keine Angst, wenn ihm mal ein Ansatz weniger gut schmeckt, stirbt er nicht gleich, sondern vermehrt sich nur nicht…das macht er nĂ€mlich sonst wie verrĂŒckt. Also nur Wasser, Zucker, Zitrone, TrockenfrĂŒchte und Karl – und ab geht die Post 😉

Da man fĂŒr den Ansatz eigentlich nur 30 g Kristalle braucht (mehr geht auch, da fermentiert es nur schneller) hat man immer welche ĂŒbrig. Falls einem mal ein Experiment schief geht und ein Ansatz wirklich kaputt geht (das passiert nicht so schnell, Karl ist wirklich robust 😉 ), kann man sich immer noch mal welche in einem sogenannten „Hotel“ in den KĂŒhlschrank stellen. Das heiß, er kommt in eine Zuckerlösung (50 g Zucker auf 200 ml Wasser – ich habe Vollrohrzucker genommen, deshalb ist die FlĂŒssigkeit so braun) und kann dort 3 Wochen aushalten, ohne neu gefĂŒttert zu werden.

Ansonsten freuen sich vielleicht Familie und Freunde ĂŒber neue Mitbewohner und Ihr könnt die ĂŒberschĂŒssigen Kristalle abgeben. Außerdem findet man im Internet auch wirklich wilde Verwendungsmöglichkeiten fĂŒr ĂŒberschĂŒssige Kristalle, z.B. Frikadellen…ich weiß nicht so recht. đŸ€” Bei mir sind sie bislang auf dem Kompost gelandet, dem tun sie bestimmt auch gut!

So jetzt steht Karl wieder in der Ferment-Parade auf meiner Arbeitsplatte…heute haben sich noch ein paar mutige Kirschen in den Ansatz verirrt. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt…schlimmstenfalls schmeckt es halt nur interessant und nicht super-lecker. 😉 In zwei Tagen weiß ich mehr.

Hier findet ihr ein FAQ zu allen Fragen rund um den Wasserkefir bei Fairment. Dort habe ich das Starter-Kit und ein großes Glas dafĂŒr gekauft.

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